Ein Umzug mit dem Beginn des Ruhestands ist eine interessante Option, die von immer mehr Menschen umgesetzt wird. Ob der Umzug in einen neuen Lebensabschnitt allerdings zu einer Erfolgsstory wird, hängt von den im Vorfeld getroffenen Überlegungen ab und dem Umstand, inwieweit die Vorstellungen und Wüsche der Realität standhalten.

Es gibt viele persönliche Motive, warum ein Wohnsitzwechsel am Beginn des Ruhestands im Raum steht: Das Leben in der städtisch geprägten Nähe zum Arbeitsplatz erscheint zu hektisch und der Wunsch nach landschaftlich schöner Umgebung mit Urlaubsflair ist endlich in greifbare Nähe gerückt. Bei anderen ist das Häuschen vor den Toren der Stadt jetzt zu weit weg vom städtischen Trubel. Der Wochenmarkt, das Theater und das Lieblingscafe sollen fußläufig zu erreichen sein. Manch einer möchte die Entfernung zu den geliebten Kindern und Enkelkindern endlich überwinden und zu ihnen ziehen. Und wieder andere möchten durch einen Umzug von überlaufenen Ballungsräumen in eine ländlichere Umgebung ihren Lebensstandard erhöhen, da die Lebenshaltungskosten dort erheblich geringer sein können.

Wenn die Lebenshaltungskosten eine Rolle bei den Überlegungen spielen, so gibt es selbst innerhalb von Deutschland gravierende Unterschiede. Nach dem Institut der Wirtschaft in Köln sind die Lebenshaltungskosten in sehr städtisch geprägten Regionen in Deutschland um ca. 6% höher als in ländlichen Gebieten und liegen in Ostdeutschland noch einmal 5% unter dem Niveau von Westdeutschland. So benötigt ein Alleinstehender in München 1030 Euro, um sich das Gleiche zu leisten, wie ein Durchschnittsbürger, der dafür nur 870 Euro benötigt. Ein vergleichbares Leben in Ostdeutschland z. B. in Standal oder im Vogtland ist schon für 800 Euro zu haben.

Auch die Immobilienpreise sind regional sehr unterschiedlich: Zwischen sehr begehrten Regionen wie München, Stuttgart und Hamburg und besonders günstigen ländlichen Regionen z. B. in Sachsen, Thüringen oder Sachsen-Anhalt kann bei den Immobilienpreisen nach dem Immobilienverband von Deutschland (IvD)durchaus der Faktor 10 liegen. Das heißt: Ein Haus, das in München 700.000 Euro kostet, kann in vergleichbarer Größenordnung und Standard auf dem Land in Sachsen mit etwas Glück für 70.000 Euro erworben werden.

Die Lage ist entscheidend für den Preis. Als Ruheständler braucht man die Nähe zum Arbeitsplatz nicht mehr. Gleichzeitig ist aber die Nähe zu Einkaufsmöglichkeiten für den täglichen Bedarf und ärztlicher Versorgung sehr wichtig. Auch zwischenmenschliche Kontaktmöglichkeiten müssen möglich sein. Die verliert man durch den Umzug im Alter, eventuell können sie nicht mehr so leicht aufgebaut werden. Darf man den alten Baum nicht verpflanzen? Bei einem Umzug und einen neuen Lebensabschnitt in neuer Umgebung entsteht die Chance, wieder Neues kennen zu lernen und dem Leben als Ruheständler mehr Abwechslung und Schwung zu geben.

Wer diesen Schritt vollzeiht, will seine Lebensqualität steigern

Wie sind die Erfahrungen von Menschen, die diesen Schritt gewagt haben? Frau Ingrid Winter, Witwe, 74 Jahre hat bis vor kurzem in Ihrem Haus in der Nähe von Wiesbaden gelebt. 20 Jahre nach dem Tode Ihres Ehemanns und nachdem die Kinder schon lange aus dem Haus waren, wurde ihr das Haus und ihr geliebter Garten zu groß. Nach langen Überlegungen, doch wieder eine Wohnung am alten Wohnort zu nehmen, entschied sie sich für einen Umzug in die Nähe von zwei ihrer drei Söhne nach Baden-Württemberg. Ihr Haus hat sie verkauft, der Erlös erhöht Ihren Lebensstandard. Sie wohnt jetzt in einer schwäbischen Kleinstadt und sieht ihre Kinder und Enkel regelmäßig. Hier hat Sie sich sehr gut eingelebt und einen komplett neuen Freundeskreis aufgebaut. Ihr neues Leben ist wieder spannend und interessant geworden. Ihre Söhne und Enkelkinder sieht sie jetzt regelmäßig und kann ihre pflegebedürftige Schwester regelmäßig besuchen.

Das Ehepaar Schneider hat sich nach vielen erfüllten Jahren in einem Reihenhaus vor den Toren einer hessischen Großstadt für einen Umzug an die Nordsee entschieden. Sie kannten die Gegend schon von diversen Urlauben. Sehr enge Freunde von ihnen waren außerdem vor 10 Jahren in ihren jetzigen Wohnort direkt an der Nordsee voraus gezogen. Sie verkauften ihr Haus und bauten dort einen freistehenden Bungalow mit wunderschönem Garten nach ihren Vorstellungen um. In ihrem neuen Wohnort finden sie eine hervorragende Infrastruktur und eine vollständige medizinische Versorgung vor. Gleichzeitig sind die Immobilienpreise und die Lebenshaltungskosten verhältnismäßig niedrig, sodass sie ihren Lebensstandard steigern können.

Viele, die diesen Weg gegangen sind, würden es wieder tun. Es hängt vom Typ ab, ob der Umzug im Alter zu einer Erfolgsstory wird und glücklicher macht. Ein genaues Abwägen der Vor- und Nachteile muss allerdings in der Planungsphase erfolgen. Es ist sicherlich leichter, vom Vorort von Wiesbaden in die Stadt zu ziehen, als sich einen völlig neuen Wohnort in weiter Entfernung zu suchen. Wenn man mobile Freund hat, bekommt man bestimmt häufig Besuch. Jedoch werden nicht alle Freundschaften über eine große Distanz auf die Dauer halten.. Kontaktfreudige Menschen können aber die Chance nutzen, ihren Freundeskreis erheblich erweitern. Wer zusätzlich am neuen Wohnort eine Aufgabe hat, wie z.B. die Enkelkinder, oder eine Verbesserung seiner gesundheitlichen Versorgung und Disposition erreichen kann, etwa in einem Kurort, der wird sicherlich durch seinen Wohnsitzwechsel neue Lebensqualität und Schwung in sein Leben bringen.

Ellen Kophal-Book

Ellen Kophal-Book, Diplom-Volkswirt und Immobilienmaklerin IHK. Seit Jahren erfolgreich in der Immobilienvermarktung tätig. Die Betreuung von älteren Immobilienbesitzern mit dem Wunsch, den Wohnsitz zu wechseln, lag ihr schon immer besonders am Herzen. Aufgrund ihrer Erfahrung mit diesem Kundenstamm hat sie das Konzept „Wohnsitzwechsel im Alter“ entwickelt. Geschäftsführerin und Inhaberin von Wohnsitzwechsel im Alter.

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